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2011
Regen,
Wind und graue Wolken - und eine beeindruckende Ausfahrt
Mondrino
Die Geschichte zu
diesem Video
Tarifa
– Tagebuch: 09.06.2011 Ein
selbst für Tarifa ungewöhnlicher 'Tag. Während der Ausfahrt um 10:00 Uhr
haben wir kein einziges Tier gesichtet. Lange Gesichter, dem Angebot von firmm,
die Ausfahrt am Nachmittag zu wiederholen, sind wir gerne gefolgt. Dann
die 16:00 Uhr Ausfahrt. Gespannte Erwartung. Der Westwind bläst noch immer
recht stark, als die Firmm Spirit Kurs auf Afrika nimmt. Die Wellen
klatschen mit hoch sprühender Gischt gegen die Steuerbordseite des
Schiffes. In Höhe des neuen Hafens auf der marokkanischen Seite drehen wir
ab nach Backbord und nehmen Kurs in Richtung Mittelmeer. Noch immer keine
Sichtung. Ich
stehe schon seit einiger Zeit mit anderen Passagieren vorne am Bug und halte
Ausschau. Inzwischen ist fast eine Stunde vergangen, wir ändern erneut den
Kurs, fahren jetzt in Richtung spanische Küste. Müssen wir etwa schon
wieder zurück? Da kommt von Jörn, dem Meeresbiologen von firmm, die
Information, dass er große Tümmler gesichtet hat. Erneute
Kursänderung, wir fahren jetzt in Richtung Atlantik. Während wir noch auf
der Steuerbordseite nach den Tümmlern Ausschau halten, teilt Jörn uns mit,
dass sich vor uns eine Gruppe von drei Pottwalen befindet. Ich schaue nach
vorne. Zuerst fällt mein Blick auf ein anderes Whale Watsching Boot. Und
dann, tatsächlich, ein Blas, dann ein kleinerer, ich versuche mehr zu
erkennen, doch die Entfernung ist ziemlich groß. Steuerbord nehme ich immer
mal wieder die Rückenflossen einiger Delfine wahr. Dann
überschlagen sich die Ereignisse. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich auf
der Steuerbordseite ein kleines Motorboot auf und fährt mit hoher
Geschwindigkeit auf die Walgruppe und das andere Boot zu. Was soll denn das,
denke ich, spinnt der, mit solcher Geschwindigkeit?! Kurz
darauf hören wir, dass die Wale offenbar abgetaucht sind. Gleichzeitig sehe
ich, wie die beiden anderen Boote mit ziemlicher Geschwindigkeit, das Kielwasser
schäumt heftig, Fahrt in Richtung Atlantik aufnehmen. Jörn teilt uns mit,
dass er vermutet, dass es sich bei der Gruppe offenbar um den Wal Mondrino
mit ihren zwei Jungen handelt und dass firmm schon früher Kontakt
mit diesem Wal gehabt hat. Mondrino,
die Bilder einer ganzen Geschichte tauchen vor meinem inneren Auge auf,
Mondrino, drei Jahre ist es jetzt her, dass ich diesen Wal fotografiert
habe, deutlich sehe ich das beeindruckende Bild der Fluke vor mir, die
langsam unter der Wasseroberfläche verschwindet. Ich erinnere mich an die
Geschichten und Ereignisse die diese Bilder ausgelöst haben und in mir
klingt die Melodie von whale
tidings. Die
Stimme von Jörn holt mich aus meinen Erinnerungen zurück. Er teilt uns
mit, dass er nicht bereit ist, sich an dieser „Verfolgungsjagd" zu
beteiligen. Ich atme erleichtert auf. Mein
Blick wandert wieder nach Steuerbord. Was ist das? In einiger Entfernung,
aber doch deutlich erkennbar, der Blas von zwei Walen. Ich bin verwirrt. Plötzlich,
um mich herum neue Begeisterungsrufe. Die beiden jungen Wale tauchen ab,
deutlich ist ihre Fluke zu erkennen. Ich hoffe sehr, dass sie jetzt nicht
mehr lange von ihrer Mutter getrennt bleiben War das aufregend, denke ich
und na, das war's dann wohl für heute. Doch
dann, noch einmal aufgeregte Stimmen. Wie bitte, Mondrino schwimmt auf unser
Boot zu? Ich spurte in das Innere des Bootes, erwische einen Fensterplatz. Es
ist wie ein Traum. Langsam kommt Mondrino zum Boot geschwommen. Zum greifen
nah liegt des Tier im Wasser, Ganz still, der Rücken glänzt in der tief
stehenden Sonne. Dann ein kleiner Blas. Von der Rückenfinne perlen silbern
funkelnde Wassertropfen. Ich spüre einen dicken Kloß im Hals. Wo befindet
sich eigentlich ihr Kopf, überlege ich, wenn der Rupf sich so dicht der
Bordwand genähert hat. Wenige Augenblicke später sinkt der mächtige
Körper langsam in die Tiefe, ohne eine erkennbare Bewegung. Ich
bin überwältigt, bleibe noch lange eingehüllt in ein Gefühl von
Ehrfurcht und Dankbarkeit. Erst
viel später, am Abend, in unseren Gesprächen, beschäftigt mich die Frage,
was mag der Anlass von Mondrino gewesen sein, mit ihren beiden Kindern in
die Straße von Gibraltar zurück zu kommen? Eine Frage, die viel Raum lässt zum
Nachspüren, über unser Verhältnis zu den Tieren.
© polenski/krause/berlin-bits
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